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Jeremins

The Thriller inside me


Verfasst am 31.05.2004 15:49:12 Uhr
Alle Jahre wieder...
...das gleiche Ritual. Das erste freie Wochenende mit mehr als zwanzig Grad wird angekündigt und ich bin hektisch auf der Suche nach einem Paddelpartner. Diesmal waren alle verschwunden, als ob sie sich verabredet hätten.

Aber wer rennt mir am Samstag-Morgen auf dem Trödelmarkt an der Elbe in den Weg? Mein mittlerweile dreizehnjähriges Töchterlein, die ich seit Monaten, fast seit einem Jahr sträflich vernachlässigt habe. Mit einer glücklichen Mutter im Schlepp. Ich brauchte nur zu erwähnen, dass ich wieder eine Schlauchboottour den Fluß runter vorhabe, schon wurde die Kleine quasi verdonnert. Obwohl sie wohl lieber zur Oma gefahren wäre. Aber die hatte auch keine so rechte Lust auf Teenagersitting, glaube ich. Nee, halt...wurde mir gesagt.

Die Tour letztes Jahr mit Nikki war ein Fiasko. Ich hatte zwei Wochen mit dem Zelt elbabwärts geplant, um mir mal die Schutzgebiete in der ehemaligen Grenzzone anzusehen. Aber nach vier Tagen bekam Töchterlein Sehnsucht nach Mama. Ich vermute eher, es war Sehnsucht nach MTV und Viva und ihrem bequemen Fernsehsessel. Das war das Ende der Tour. Und ich war ziemlich sauer.

Aber ein paar Stunden die Elbe hinunter wird sie wohl überstehen, dachte ich. Zumal das mal wieder eine Gelegenheit wäre, miteinander zu reden.

Unser Verhältnis ist ziemlich seltsam. Als ich als Vater abgelöst wurde, war die Kleine ein Jahr alt, bei unserem ersten Wiedersehen hatte sie keine Erinnerung mehr an mich, was mich härter getroffen hat, als ich viele Jahre lang wahrhaben wollte. Danach sahen wir uns wieder jahrelang nicht, der Neue unterband jeden Kontakt und die Mutter war zu feige, sich durchzusetzen. Ich konnte nichts tun, uneheliche Väter haben nur auf dem Papier Rechte. Also fand ich mich ab, irgendwie. Das Mutter und Tochter regelmäßig verdroschen wurden, erfuhr ich erst viel später.

Nach sieben Jahren war diese Tortur dann zu Ende, der Schläger zog aus und eröffnete Nicki quasi als Bonus, dass nicht er ihr biologischer Vater wäre, sondern halt ich. Der Typ, der alle Jahre mal vorbeikam. Jetzt war es die Kleine, die Unschuldigste von allen, die die Füsse weggehauen bekam.

Eine weitere Annäherung fand nicht statt, obwohl ich und auch Nicki es versuchten. Die erste Zeit ging ich regelmäßig mit zum Förderunterricht, den sie besuchte, weil nach dem Schock ihre schulischen Leistungen völlig in den Keller gingen. Wir sahen uns regelmäßig, telefonierten oft, aber das gegenseitige Interesse war mehr als mangelhaft. Die Mutter legte mir keine Steine in den Weg, im Gegenteil, sie hätte es lieber gesehen, wenn ich meinen Teil der Verantwortung und noch mehr als das, übernommen hätte. Sie arbeitet Schicht, ich hätte Babysitter spielen können wann immer ich wollte. Ich wollte nicht. Das Gefühl, nur wieder rangelassen zu werden, weil halt kein Besserer da war, ließ mich nie los. Als ich hätte Vater sein wollen, wurde ich eiskalt entsorgt und jetzt war ich wieder gut genug. Nicki spürt das genau. Und hat mich dennoch lieb. Jedenfalls sagt sie das. Wahrscheinlich hat sie keine Wahl.

Alles in allem ist das kein guter Zustand. Mir ist klar, dass ich den größten Teil der Last auf das schwächste Wesen in diesem Konflikt ablade. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Ich wüßte auch gar nicht, wie. Ich müßte mich zwingen, meine nunmehr gewünschte Vaterrolle auszufüllen, statt dessen grüble ich darüber nach, ob sie wirklich mein Kind ist. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten wollte, dass ich besonders gern mit diesem Kind zusammen bin.

Ich weiß auch, woran das liegt. Ich sehe die Fehler, die in ihrer Erziehung gemacht wurden und die ich so nicht gemacht hätte. Sie ist nicht "mein" Kind. Ich sehe die Interesselosigkeit, höre das Geplapper und die stumpfsinnigen Gedanken, denen man anmerkt, dass ihr Ursprung das Fernsehen ist. Ich weiß, es ist nicht ihre Schuld, sie ist nur alleingelassen und vernachlässigt worden und kann nichts dafür. Aber ich kann auch nichts mehr ändern. Sie ist mitten in der Pubertät. Es ist zu spät. Und das macht mich ziemlich sauer. Und mutlos und verweifelt.

Nicki erzählt, dass ihre Mutter sie in den letzten Monaten oft ermahnt hat, mich anzurufen. Und sie ist ehrlich genug, mir zu sagen, dass sie eigentlich darauf wenig Lust hatte. Und nach einigen gescheiterten Versuchen aufgegeben hat. Genau wie ich.

Aber für eine Bootsfahrt reicht es noch.

Wir verabredeten uns für zehn Uhr am Hauptbahnhof, ich wollte mit der Bahn nach Königsstein fahren, das Boot aufblasen und elbabwärts schippern. Schön gemütlich, wie Huckleberry Finn. Seltsamerweise war ich schon um acht munter. Und hielt es anschließend für eine gute Idee, doch schon mal aufzubrechen. So war ich bereits um neun Uhr am vereinbarten Treffpunkt. Und Nicki kam mir entgegen.

Der Zug fuhr zwanzig Minuten später und er war so voll, wie ich es selten erlebt habe. Eine seltsame Aussage für einen Ex-Eisenbahner, aber ich habe wirklich nur ein - oder zweimal sowas gesehen. Das letzte Mal, als in Berlin die Grenze geöffnet wurde und jeder Ossi, der laufen konnte, nach Westberlin fuhr, um sich seine hundert Mark Begrüßungsgeld abzuholen. Unsere Wohnwagen standen damals in Großenhain, also an der Berliner Strecke und ich sah die vollgestopften Züge, die knallroten Köpfe der fast aus den Fenstern quellenden Menschen und die Kinderwagen, die die Mütter auf dem Bahnsteig stehen ließen, aber ihre Babys auf dem Arm mitnahmen, weil es die hundert Mücken ja pro Nase gab. Ich selber fuhr erst ein paar Wochen später los und ich habe mich geschämt, als ich das Geld abholte. Die große Euphorie war noch nicht verklungen, hatte aber schon den Beigeschmack leichten Unwillens. Ich bin stundenlang nur durch die Strassen gewandert, die ganze Nacht lang. Irgendwann fand ich eine Kneipe, "Eierschale" nannte sich der Laden. Ein Jazzlokal, das die ganze Nacht geöffnet hatte. Für das letzte Geld bekam ich ein Bier und hielt mich stundenlang daran fest. Irgendwann flog die Tür auf und eine Horde plastikbeutelschleppender Ossis grölte herein. "Gibt´s hier was umsonst? Mir sin aus´m Ost´n, eh."
Manche Berliner Gastwirte und viele Läden hatten sich schnell angepasst und für die schmalen Budgets der Ossis Spezialtarife eingeführt, in der ersten Begeisterung gaben viele auch Dinge kostenlos ab und eine Werbeaktion jagte die andere. Diese Zeit war eigentlich schon vorbei, aber das hatte sich offenbar noch nicht in den letzten Winkel der DDR herumgesprochen. Und da standen sie nun, rotgesichtig und schwer beladen, drückten ihre billigen Schätze an die Brust und strahlten frei von jeder Verlegenheit um sich. Ich machte, dass ich davonkam.

Und nun saß ich also wieder mal auf einer Treppe in einem vollgestopften Waggon. Noch drei Haltepunkte lang drängten Leute herein, zum Schluss hatte ich noch eine Dobermann-Schäferhund-Mischung fast auf dem Schoß. Nicki kraulte dem fiependen Viech mit Hingabe das Fell und die Herumstehenden machten sich den Wuff zunutze, um sich mit Hilfe von Bemerkungen über ihn miteinander bekannt zu machen. Wo immer Menschen derart zusammengedrängt werden, dass die Individualdistanz praktisch verschwindet, greift man zu dieser gut funktionierenden Methode. Was mich wieder mal davon überzeugt, dass die Menschheit Schwierigkeiten und gemeinsame Feinde braucht, um sich zu verstehen. In solchen Fällen ist die Toleranz grandios, das gegenseitige Verständnis einfach umwerfend und sämtliche Standesunterschiede bedeutungslos. Eine einzige große Familie. Aber nur in der Klemme gut.

Irgendwann kamen wir an, schleppten das Boot zum Fluß und ich hoffte, das alles dichthalten würde. Es hielt, es ist ein gutes Boot. Soweit ich weiß, das einzige knallrote Gummiboot im Dresdner Raum. Es heißt Zora.

Zum Ritual gehört auch, das wieder mal niemand an Sonnenschutz gedacht hatte. Kein Sunblocker, keine Creme, kein Spray. Nur Hut und Sonnenbrille. Und kurze Klamotten, was bedeutet, dass wir beide schwer verbrannt wieder heimkamen.

Geredet haben wir kaum. Nicki besucht reihum Verwandte, von denen ich noch nie gehört habe, hat eine langjährige Freundin, die ich ebenfalls nicht kenne und lebt praktisch in der Familie einer Freundin der Mutter, die ich nicht mag und die mich nicht mögen. Es gibt kaum noch Gemeinsamkeiten. Eigentlich gar keine. Und wie gesagt, im Kopf hat sie nicht allzu viel. Wir sind Fremde, die nur vereint, dass wir eine Menge über die Vergangenheit des anderen wissen und zufällig die selbe Frau kennen. Ihre Mutter.

Ich kann heut nichts mehr schreiben.



Verfasst am 27.05.2004 16:17:18 Uhr
Radfahrers Leid
IchsollnichtwieeinIrreranderElbelangrasen
IchsollnichtwieeinIrreranderElbelangrasen
IchsollnichtwieeinIrreranderElbelangrasen

DaliegtPferdescheisserum
DaliegtPferdescheisserum
DaliegtPferdescheisserum
PtüPtüPtü.


Apropos Dreck

Seit das Muh und ich uns erfolgreich auseinanderleben, hat ein früher unbekannter Schlendrian in (noch) unserer Wohnung Einzug gehalten. Wenn man das Interesse an einer Beziehung verliert, dann offenbart sich das auch in mangelnder Lust...den Schauplatz ordentlich zu halten. Außerdem ist da ja immer im Hinterkopf, dass man in ein paar Wochen sowieso alles in Kartons verpacken muss...


Muhstall


Muhstall Ausgang


Brummbau

P.S.

Bilder von der Küche wird es nicht geben. Nur gegen Bezahlung


Verfasst am 27.05.2004 10:43:18 Uhr
ZDF
Weiß jemand, was eine ZF ist? Natürlich nicht, mit einer Zwischenfrequenz wissen nur Elektroniker etwas anzufangen. Aber was das ZDF ist, dürfte jedermann geläufig sein. Was mir neu war, ist die offensichtliche Tatsache, dass der Ruf „Eh, das Fernsehen kommt“ einen Fluchtreflex auslöst.

Wäre besagter Reflex nur bei mir aufgetreten, hätte es mich gar nicht mal so überrascht. Aber die halbe Klasse ergriff die mehr oder weniger geschickte Flucht aus dem nagelneuen Computerkabinett, als vier doch eher weniger seriös aussehende Herren in Begleitung einer aufgebrezelten Chefetagentante sowie des ausnahmsweise mal bekettjackten Öffentlichkeitsverantwortlichen zur Tür hereinquollen.

Keine Ahnung, was das Fernsehen, noch dazu das Zweite, von uns will. Zeitungen waren auch schon mehrfach da, seitdem weiß ich, wie saudämlich ich selbst auf professionellen Fotos rüberkomme. Um wie vieles schlimmer die Wirkung auf irgend einem Bildschirm wäre, wage ich mir nicht auszumalen. Also nix wie weg.

Kann ja nur wieder so eine Veranstaltung zum Thema „IhrverdammtenOssiswosinddieMilliardengeblieben?“ sein. Und da wir strenggenommen ja nur noch rumhängen und auf die Prüfung warten, wäre das Ganze nichts als eine verlogene Schaumschlägerei.

Okay, nun könnte man wieder einwenden, dass Fernsehen ohnehin nichts anderes ist und das stimmt auch. Jede Sendung, die ich bis jetzt hinter den Kulissen erleben durfte und alles, was ich vom professionellen Radio weiß, zeigt in diese Richtung. Das wird auch jedem halbwegs denkenden Menschen beim Anblick des normalen Fernsehprogramms klar. Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, beim Umzug gleich meine TV-Ausrüstung abzugeben. Und die X-Box gleich mit. Soll ich-soll ich nicht-soll ich...



Verfasst am 27.05.2004 07:15:26 Uhr
Gebet eines Atheisten
Herr, es ist Zeit
der Frühling war beschissen
Nimm mal die Pfoten aus´m Schoß und mach Dich ran.
Wir ham die Schnauze voll von langen Regengüssen.
Du wirst da ein paar Löcher in die Wolken schneiden müssen.
Nun mach schon zu, sonst rufen wir wen anders an.




Verfasst am 26.05.2004 15:20:04 Uhr
So...
...ich bin dem defekten Speicherriegel endlich konkret auf der Spur. Wenn ich ihn finde, kann ich ihn morgen in der Schule gegen einen von den alten Rechnern austauschen. Na fein. Den Euro muss ich wahrscheinlich morgen auch einsetzen. Die Nudeln sind alle.

Der Tag heute war echt für die Tonne. Ich krieg´ den verdammten Signalverlauf im Fernseher einfach nicht in meinen Holzkopf. Und das Wetter sieht aus, als hätte einer der Verantwortlichen schon den neuesten Katastrophenfilm von Petersen gesehen. Merde.

Also mache ich jetzt das einzige, was heute noch Sinn macht.

EINEN RIESENTOPP SPAGHETTI!!!

Denn letztendlich kommt es nur darauf an, was hintern herauskommt. Oder so...


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